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Jahresbericht 2019 und Ausblick 2020

Entwicklungen 2019

Positives Geschäfts- und Finanzergebnis

Der Gewinn vor Überschussbeteiligung des Interkantonalen Rückversicherungsverbands (IRV) für das Geschäftsjahr 2019 in der Höhe von CHF 136.5 Millionen zeugt von einem sehr erfreulichen Geschäftsgang. Sowohl bei der Rückversicherung als auch bei den Finanzanlagen konnte der IRV von einem äusserst günstigen Umfeld profitieren. 
Bei der Schaden-Rückversicherung wurden die Mitglieder von grossen Schadenereignissen verschont. Eine Ausnahme hiervon ist die Gebäudeversicherung Neuenburg (ECAP). In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni wurde das Val-de-Ruz von einem schweren Unwetter heimgesucht. Hochwasser und Oberflächenabfluss verursachten grosse Schäden in den Dörfern Villiers und Dombresson und forderten ein Menschenleben. Der IRV unterstützt die ECAP bei der Bewältigung dieses Schadens mit CHF 4.2 Millionen Es blieb dies der einzige Elementarschaden für den IRV. Auf Seiten der Feuerschaden-Rückversicherung blieb es ruhig. Erwähnenswert ist lediglich eine Häufung von mittelgrossen Feuerschäden im Kanton Jura. Doch auch für eine Frequenz von kleinen und mittleren Feuerschäden hat die Gebäudeversicherung Jura vorgesorgt und eine entsprechende Rückversicherungsdeckung beim IRV eingekauft. Zusammenfassend erzielt der IRV ein versicherungstechnisches Ergebnis von CHF 55.5 Millionen. Die Finanzanlagen zeigten sich 2019 von ihrer besten Seite. Sie schliessen mit einem Anlageergebnis von CHF 93.5 Millionen. Gesamthaft gesehen erzielt der IRV einen Gewinn vor Überschussbeteiligung von CHF 136.5 Millionen, von welchem ein Viertel – CHF 34.1 Millionen –  in Form einer Überschussbeteiligung an die Mitglieder zurückfliesst.

Feuerschaden-Rückversicherungs-System 2020

Der gute Geschäftsgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rückversicherungsangebote des IRV kontinuierlich auf verschiedene Aspekte hin überprüft werden müssen. In diesem Rahmen wurde 2019 das Projekt «Feuerschaden-Rückversicherungs-System 2020» abgeschlossen. Das neue Produkt nimmt Wünsche zu mehr Gestaltungsfreiräumen der KGV auf. Es bietet mehr Möglichkeiten, die Rückversicherung den eigenen Bedürfnissen anzupassen, indem die Rückversicherungsstruktur weiter unterteilt worden ist. Zudem wurden die aktuariellen Berechnungsmethoden für die Prämienkalkulation auf den neusten Stand gebracht. 

Mit der Aufhebung des seit 2007 existierenden Feuerschaden-Rückversicherungs-Systems hat der Verwaltungsrat des IRV beschlossen, die Mittel für die Gewinn- und Verlustreserve aufzulösen. Das neue System sieht keine solche Schwankungsreserve mehr vor. Es bietet vorneweg vorteilhafte Rückversicherungskonditionen für die KGV. Auf Beschluss des Verwaltungsrates hin wurden somit einmalig CHF 11.2 Millionen an die Mitglieder zurückbezahlt.

Anpassung Anlagereglement

Die im Vorjahr beschlossenen Anpassungen bei der Anlagestrategie und dem Anlageprozess werden im Berichtsjahr mittels überarbeitetem Anlagereglement abgebildet. Insbesondere legte der Verwaltungsrat den Grundsatz fest, dass nebst der Erzielung einer marktkonformen Rendite auch Nachhaltigkeitsaspekte (Environment, Social and Governance) zu berücksichtigen sind. Die entsprechende Umsetzung erfolgt 2020. Die teilweise leicht unterschiedlichen Formulierungen der alten Anlagereglemente IRV und SPE wurden auf eine einheitliche und aktualisierte Basis gestellt. Pro Anlagekategorie ist nun definiert, wieviel aktiv verwaltet und welche Quote passiv (d. h. indexiert) abgebildet wird. Damit ist die Basis gelegt für eine weiterhin effiziente Verwaltung der anvertrauten Gelder.

Anpassung Immobilienstrategie

Die im 2018 definierte Immobilienstrategie wird den bei der Immobilienanalyse erkannten aufgestauten Unterhaltsbedarf reduzieren. Dazu sollen schwerpunktmässig Wohnliegenschaften mit Potenzial saniert werden. Ein externer Partner wird den IRV dabei unterstützen. Somit wird zukünftig das bei umfangreichen Sanierungen von Liegenschaften notwendige Wissen im Bauwesen eingekauft. Die Portfoliosteuerung der Immobilien und das Controlling bleiben jedoch beim IRV. Parallel dazu hat der Verwaltungsrat beschlossen, die bis anhin teilweise selbst erbrachte Liegenschaftsverwaltung per 2020 auszulagern. Die dadurch freiwerdenden internen Kapazitäten werden für die laufenden und bevorstehenden Sanierungen benötigt. 

Im Berichtsjahr wurde ausserdem das Immobilienreglement aktualisiert und als Anhang ins Anlagereglement integriert.

Ausblick 2020

Neue PML-Studien

Wesentlich für die Ausgestaltung sinnvoller Rückversicherungsprodukte des Interkantonalen Rückversicherungsverbands (IRV) für die Kantonalen Gebäudeversicherungen (KGV) ist eine aktuelle und umfassende Beurteilung der Risiken. Im Bereich der Elementargefahren wird dafür auf PML-Studien abgestützt. PML steht für «Probable Maximum Loss» und bezeichnet die zu erwartenden Höchstschäden bei gewissen Wiederkehrperioden. Ein Beispiel hierfür ist das oft herangezogene «Jahrhundert-Ereignis». Entsprechende Arbeiten werden 2020 im Rahmen des Projekts «Update PML-Studien Elementar» angegangen. In Zusammenarbeit mit den KGV werden die Ergebnisse dem IRV erlauben, sein Angebot im Rahmen der Elementarschaden-Rückversicherung zielgerichtet und angemessen zu gestalten. Auch für die KGV ist dies wichtig, da die Eckwerte der Interkantonalen Risikogemeinschaft (IRG), insbesondere die Grossschadengrenzen, einer «Nachführung» bedürfen. Die IRG – das Herzstück der Solidarität unter den KGV – wurde seit 2016 nicht mehr angepasst. Die Datengrundlagen stammen aus PML-Studien des Jahres 2014. Seither haben die Versicherungswerte um ca. 250 Milliarden CHF bzw. ca. 11.5% zugenommen. Zukünftig müssen auch die positiven Effekte der Naturgefahrenprävention der KGV wie auch jene von Gemeinden und Kantonen in die Studie einfliessen. Das Projekt «Update PML-Studien Elementar» wird im Jahr 2020 massgeblich vorangetrieben, damit die KGV im Jahre 2021 die Umsetzung der Ergebnisse diskutieren und beschliessen können.

Optimierte IRV-Deckungen

Sowohl der Interkantonale Rückversicherungsverband (IRV) als auch die Kantonalen Gebäudeversicherungen (KGV) sind nicht in der Lage, ohne angemessenen Rückversicherungsschutz ihrem Auftrag nachzukommen. Die anhaltend gute Schadensituation der letzten Jahre und in der Folge die «Stärke» der Finanzkraft des IRV öffnet hier neue Perspektiven. In den letzten Jahren konnte der IRV sein «Risikotragendes Kapital (RTK)» stärken. Aus dieser Position heraus kann der IRV mehr übernommene Risiken aus den Feuer- und Elementarschaden-Rückversicherungsverträgen selbst tragen. Dies verringert den Bedarf an Rückversicherungsschutz für den IRV bzw. erlaubt entsprechende Prämienersparnisse. Der IRV hat den Einkauf des Rückversicherungsschutzes in der Erneuerungsrunde 2019/2020 kritisch überprüft und angepasst. In der Folge konnte er für das Jahr 2020 seinen Rückversicherungsschutz wesentlich günstiger einkaufen, ohne die «Substanz» zu gefährden. Die Ersparnisse bei der Feuerschaden-Rückversicherung liegen bei CHF 1.8 Millionen, jene bei der Elementarschaden-Rückversicherung bei CHF 6.4 Millionen.

Coronavirus-Pandemie

Die Ausbreitung des Coronavirus wird für den Interkantonalen Rückversicherungsverband (IRV) wirtschaftliche und organisatorische Folgen haben. Es werden zusätzliche Kosten entstehen und es ist mit Mindereinnahmen bei den Finanzanlagen zu rechnen. Die genauen finanziellen Auswirkungen können aktuell nicht eruiert werden. Sie sind davon abhängig, wie lange die ausgerufenen Restriktionen des Bundesrats in Kraft bleiben. Der IRV wird die Situation laufend analysieren und die entsprechenden Massnahmen rechtzeitig umsetzen.

Jahresbericht 2019 und Ausblick 2020